Deleted scenes /

und Sommerpause

 
 
Liebe Freunde der gepflegten Samstagabendunterhaltung,
 
leider kann ich euch an dieser Stelle, aus speziellen Gründen, nicht den angekündigten Post bringen. Aber stattdessen, so als Schmankerl, sanft in die Sommerpause leiten. Und zwar mit bisher nicht gezeigten Zeichnungen vom Froch, aus der Geschichte von der Kaulquappe und der Quelle (hier). Die Zeichnungen sind 2008 und 2009 entstanden.  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Im August ist auf Yippie Sommerpause. Vielleicht bringe ich den angekündigten Post noch, aber das liegt nicht bei mir. Ich lasse mich überraschen.
 
Habt einen wunderschönen Sommer voller Sonne und Genuss.
 
 
 
 
 
 
 
Seid ganz herzlich gegrüßt
Olivia
 
Passend dazu etwas Quatsch für die Ohren hier

 

Eine geht noch /

Die Quelle und die Ameise

 
 
Eigentlich sollte man meinen mit der letzten Geschichte und dem schönen Happy End von der Hummergeschichte wären alle meiner Geschichten aus dem Jahre 2005 rausgehauen. Denkste! Ich hab da noch eine, da euch aber die Zeichnungen schon mal gezeigt habe und sie den chaotischsten Reim von allen hat, wollte ich sie weglassen. Der Vollständigkeit halber kommt sie jetzt doch noch. Und auch ein bisschen weil sie eine Lieblingsgeschichte von Alois , dem (im letzten Post erwähnten) Webernknecht ist. Er besteht übrigens auf einen eigenen Post. Wir werden erleben, wer sich durchgesetzt hat. Los geht´s.
 
 
Es ist ein herrlicher Sonntagmorgen, die Quelle sprudelt locker vor sich hin, da kommt eine Ameise des
Weges.
 
Die Ameise trägt einen großen Stein auf dem Rücken, hat einen rauchenden Grashalm im Mund und führt Selbstgespräche, die Ameisenglieder rudern und gestikulieren wild. Sie scheint jemanden nachzuäffen:
 
tl_files/user/blog/Ameise/ameise_1.jpg
 
 
 
Ich kann nicht, ich mag nicht
Das war echt keine Absicht.
Kann ich das nicht verschieben, vielleicht auf morgen?
Naaaahein, hallooo, das kannst du heute schon besorgen.
Alles faule Ausreden,
meiner Kollegen,
wir sind doch nicht aufm Ponyhof,
also so was von dämlich, so was von doof.
Wer wirklich weit kommen will im Leben,
muss kruppen wie ein Tier,
nach oben streben, das sag ich dir.
Überstundenausgleich, pah, so ein Mist,
wer so was fragt, ist hundert pro kein Realist.
Sind wir mal ehrlich,
Ohne Fleiß kein Preis,
Ohne Schweiß kein Preis,
Der Preis ohne Schweiß,
ist der, auf den ich schei…Guten Morgen, unterbricht in diesem Moment die Quelle.
 
Ich habe eigentlich heute keine Sprechstunde, doch du scheinst Bedarf zu haben,
komm quatschen wa ne Runde.
 
Hä, wer? Was, was ist los?
Wer labert da bloß? Die Ameise schaut sich hektisch um.
 
Ich, die Quelle, hier in der Tiefe,
die ich Worte vor mich hin triefe,
schon ab und an wem helfen konnte,
der nicht im Leben sich sonnte,
jemand, der sich nicht gut fühlte,
in seinem Innern immer wühlte.
 
Was die Quelle da sagt scheint der Ameise lächerlich.
 
Wenn ich irgendwo wühle, dann bei der Arbeit,
das meine ganze Wahrheit.
Ich mag es so, kann auf keinen Fall ohne,
kommt vor, dass ich mich mit der ein oder anderen Zichte entlohne,
dann aber geht’s wieder weiter,
Arbeiten, Arbeiten, das macht mich heiter.
 
Die Quelle hakt nach:
Das klingt wirklich fleißig, was du tust.
Gibt es auch Stunden, in denen du must?
Also ich meine Stunden, in denen du nichts machst,
komplett entspannst, in der Hängematte lachst?
Hä, was? Was ist eine Hängematte genau?
Ich bin eine Ameise, die arbeiten auf´m Bau.
Da gibt es keine Matten,
schon gar keine, die hängen, an was auch, an Latten?
Ich gebe zu, es ist schon sehr viel,
da bleibt keine Zeit, für Familie, Sport und Spiel.
 
Die Ameise hat inzwischen ihr Gepäck abgeladen und sich auf einem Felsstück niedergelassen.
 
 
 
tl_files/user/blog/Ameise/ameise_2.jpg
 
 
 
Sag mal Ameise, hast du eine Frau auf dem Bau?
Hast Du Nachkommen.
kommen die nach Dir, Hm?
 
Ja, ja klar,
ich habe Kinder und eine Frau,
für die ich schufften gehe, wir wollen einen eigenen Bau.
Wunderbar, du gabst also deinen Samen,
sag, wie heißen sie, wie sind ihre Namen?
 
Anm.: ich weiß Ameisen legen Eier, aber es klingt besser,
ansonsten hätte ich schreiben müssen:
Wunderbar legtest mit deiner Frau Eier,
sag mal die Namen, sinds viele, au weia.
Der Leser möge sich eine Variante aussuchen.
 
Die Ameise setzt sich auf einen anderen Stein,
mittlerweile hat sie sich den zehnten Grashalm angesteckt.
Sie wirkt mit einem Mal betrübt.
 
Ich gebe zu, das macht mich niedergeschlagen,
ich weiß es nicht, kann dir die Namen nicht sagen.
 
Oha, das ist schlimm, die Quelle ist überrascht,
kommt dir der Name deiner Gattin in Sinn?
 
Die Ameise geht leise einige Namen durch,
Lydia..., Kristina, Birgit, Nicola, Anne, Eva, oh nein,
ich bin ein Schwein, er fällt mir nicht ein.
 
Nein, nein, du bist sicher kein Schwein.
Du bist eine A-M-E-I-S-E, es liegt in der Natur der Ameise,
bei der Arbeit fleißig zu sein,
das ist der Ameise Lebensweise.
Du hast bislang deine Arbeit sehr ernst genommen,
bist die Kariereleiter hochgeklommen.
 
Die Ameise lässt den Kopf hängen. So fährt die Quelle fort:
Wirkst ein bissl geköpft,
vereinsamt und erschöpft.
Es gibt nun drei Möglichkeiten,
Erstens, du wirst nicht mehr so viel arbeiten,
schaust mal wieder nach der Brut,
was euch sicherlich familiär gut tut.
 
Zweitens, du siehst dich als Ameise und deine Bestimmung
in der Rolle des Arbeitstiers, von der fleißigen Innung.
Du bist nicht als Faultier geboren worden,
das bestimmt ist, nur für die Familie zu sorgen.
Sei weiter so fleißig am Werk,
Bau dir als Ameise den höchsten Berg.
Arbeite dich schlichtweg tot,
und zur Not,
wirst du dann Buddhist,
dem die Reinkarnation einleuchtend ist.
 
Die Quelle lacht über ihre eigenen Worte.
 
Drittens, du beziehst alles mit ein,
so kannst Du mit Deiner Familie zusammen sein.
Mach dich selbständig mit Deiner Frau,
gründe die Wir AG Hoch- und Tiefbau.
Die Kinder können bei euch bestimmt viel Lernen,
ihr müsst nur vorleben und von eurer Arbeit schwärmen.
 
Die Ameise reißt ihre riesigen Augen noch viel weiter auf vor Freude.
Wahnsinn,
dass mir das nicht mal im Wahn in Sinn kam.
Eine Wir AG, das ist der Kracher,
dann bin nicht nur ich sondern auch meine Frau ein Macher.
Ich muss los,
Adios.
 
Die Ameise schlägt vor Freude noch ein Rad und ist im nächsten Moment auch schon verschwunden.
Die Quelle ihrerseits gönnt sich erst einmal ein ausgedehntes Nickerchen. Sie kann selbstverständlich auch
im Schlaf quellen.
 
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Und so sage auch ich Adios Freunde. Auf bald.
 
Herzliche Grüße
Olivia
 
 
 
 
 

Die Quelle und der Hummer /

 
 
 
Auf Blogs gibt es für gewöhnlich viele Bilder und wenig Text. Und ich drehe das einfach um. Es gibt wieder was von der Quelle. Text und Illustration von mir, wie schon oft beschrieben, aus den Jahren 2005-2008.
Da ich des Italienischen nicht mächtig bin, habe ich dem Hummer einen italienischen Fantasieakzent gegeben. Leichter wäre es, ich würde es euch vorlesen. Das geht aber technisch nicht.
 
Die vorhergegangenen Geschichten mit den Tieren, die in dieser Geschichte wieder auftauchen, findet ihr hier und hier.
 
Und bitte...
 
Luigi ist ein italienischer Hummer, der im fernen Sizilien von der heilenden Ratgebung der Quelle gehört hat. So macht er sich eines schönen Tages auf den Weg, um die Quelle zu bepilgern. Ein heilendes Bad im Fluss der Quelle, so verspricht er sich, würde ihn von diversen Leiden erlösen, die ihn plagen.
Außer seiner nervösen Art quält ihn der Bluthochdruck, der durch seine aufbrausende Art leider noch verstärkt wird.
 
Madre mia, keucht der Hummer,
iste denn keiner hia.. eee,
der mische trage kann,
isch frage mich, wo bist du, trage misch, aber wann?

Die Reime kommen dem Hummer nicht so leicht über die Lippen, da er an der Grenze nicht nur seine Heimat, sondern auch noch seine Muttersprache hinter sich gelassen hat.

Ische bin ein Hummer,
keine gewöhnlische Krebse, keine Dummer,
macke nisch so viele laufe,
lieber gleiche eine wenige von de Quellewasser saufe,

motzt Luigi als er bei einem Baum vorbei kommt. Doch plötzlich hält er inne und lauscht einem Klopfen.

 

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Es ist der Specht alias Spicht. Der erpicht Löcher sticht.
 
Der Hummer rollt sich auf den Rücken, um das Tier anzuschauen, das da so merkwürdig klopft.
 
Scusi, äh,
biste du ein Mann oder eine Tuuussi?
 
Hand, äh Flügel und Schere zum Gruße,
hast du ein wenig Muse?
Ich bin ein Specht,
da zählt nicht so sehr das Geschlecht.
 
Macke es kurze kann nichte verweile,
hab a keine Zeite, muss zur Quelle, bine in  Eile.
mosert Luigi.
 
Aha zur Quelle musst du,
bist ja echt hektisch, vielleicht findest dort etwas Ruh.
Ich bin ein Vogel, mache Löcher in Bäume,
das ist Kunst, schafft in der Rinde neue Räume.
 
Aha, du biste wie ich extra besonders, äää
nicht gewöhnliche Vogel, hää?
 
Oh, den Zahn wird die Quelle schon ziehn,
das mit dem Besonderen, hach, was sag ich, geh einfach hien.
 
Ciao, Bello,
 
Violoncello, ruft der Specht und kichert.
 
Äußerst schleppend schleppt sich der Hummer weiter.
Er kommt beim Froch vorbei und auch dieses Tier kennt Luigi nicht.
 
Nu, wasse iste das schone wieder für eine Kreatur,
nur?
Haste du überhaupte eine Bereschtigunge für e Lebe, hm?
Was iste wonach du im Lebe tust strebe?
Ische, füre meine Teile, will zur Quelle,
will Erleuchtung finde, eine Helle.
 
Der Froch schaut überrascht aus der Wäsche.
Ich bin ein Froch, okay, und by se way,
Ich war auch schon mal dummer,
keine Angst, du Hummer,
sie wird dir nehmen diesen Kummer.

Der Froch grinst den Hummer ermunternd an, nickt zum Abschied und hüpft von dannen. 

Nu habe ische aber die Schnauze vom Laufen voll,
der Hummer strauchelt und schlägt lang hin,
nu habe ische mir noch wehe getane, na toll.
Isch mage su meiner Mama,
die macht Spaghetti, die sinde da Hamma.
 
Aber Luigi, rege disch nisch auf,
nur noch einemal links unde Berg rauf.
Na dann bin isch da,
des wofür ische gelaufe war,
is dann zume greife nah.

Nach kurzer Zeit ist der Hummer über die Kuppe und kann auf die Lichtung blicken und auf den Fluss.

Doch es kommt anders.
Hä, was ist e hier los,
wo iste de Quelle und de Flusse bloß?
Nei, musse sein eine Versehe,
kann nicht sein dass isch bei de Quelle stehe.
Da iste keine Wasser,
leer, blosse Steine, eine Haufen blasser.
 
Der Hummer fängt vor lauter Wut an zu zittern.
Da entdeckt er ein Schild,
 
Quelle hat, über den Sommer geschlossen,
kommen Sie im Herbst wieder, oder im Frühling nach der Schneeschmelze.
Nun ist es mit der Zurückhaltung, die Luigi nie hatte, aus.

Er regt sich so sehr auf, dass er knallrot wird. (Nur so anbei: Hummer werden natürlich nicht rot, weil sie sich ärgern, sondern weil man sie bei lebendigem Leib in kochendes Wasser wirft).

 

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Wie ein Gestörter rennt er im Flussbett hin und her, kickt Steine weg.

Carramaba, porca miseria,
nu komm ische extra hierhera.

Piep…

Aus Jugendschutzgründen habe ich den Rest zensiert.

Da entdeckt er mit einem Mal einen Bär, der im Gras unter einem Baum liegt.
Es ist der Sammelbär.
Der Bär hat die Pranken hinter dem Kopf verschränkt, lächelt und scheint ein Nickerchen zu machen.
Luigi rennt zum Bär, zwickt ihn ordentlich.
 
He Du,
Schluss mite Ruh.
Ische bin Luigi, bin von Italia hierher gelaufe,
war anstrengend, kann ich dire sagen musste rischtisch schnaufe,
bine sogar vorbei, bei de Spischt,
komm hier an, was is, Quelle is discht.
Ähh, was ist das, kamma nische mache,
bin verzweifelt, könnte mache Krache.

Der Bär reibt sich die gezwickte Stelle, ist aber nicht böse.

Mein Vorschlag ist,
dass du dich bei mir hier niederlässt.
Im Schatten ist es so herrlich,
und deine Reise war anscheinend entbehrlich.
Ich werde dich mit allem versorgen,
mir vom Nachbarn die besten Häppchen borgen.
Zähl ein paar Schäfchen, mach ein Schläfchen.
Bin gleich zurück,
du wirst sehen, es wird zum puren Glück.

Luigi schläft ermattet ein. Doch als er aufwacht geht es ihm viel besser. Der Sammelbär hat inzwischen alles, was köstlich ist, aufgefahren. Die zwei schmausen und lachen die ganze Nacht zusammen.

Irgendwann sagt Luigi,
hatte es noche nie so schön inne Leben,
dachte nur de Quelle könnte mir das geben.
Was iste das, ist dase Glück,
dasse mir machte so verzück..t?
 
Der Sammelbär:
ich glaube das ist der Augenblick,
der dir ins Auge blickt.
Und du bist wirklich drinn,
lebst nicht nur auf was Ungewisses hin.
Wirklich gut wird es, wenn du befreit,
Besitzer bist der Gelassenheit.
 
Der Hummer nickt,
verstehe,
ist noch ein langer Weg für mich su gehe.

Die zwei genießen noch ein paar schöne restliche Tage chillen und grillen, bis sich Luigi wieder auf den Weg macht, den er eigentlich nie wieder verlassen wird.

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Habt eine wunderschöne, leichte und beschwingte Woche.
 
Herzliche Grüße
Olivia

 

https://www.youtube.com/watch?v=SxMiQaocGLk

 

Die Quelle und die Hyäne /

 

 

Da ich mich diese Woche mit einem Beitrag, den es demnächst hier gibt, etwas verzettelt habe, gibt es heute eine von den Geschichten der Quelle. Das ist definitiv kein Trostpflaster oder Platzhalter. In diese Geschichten ist viel Herzblut geflossen. Es hat mir damals sehr großen Spaß gemacht sie zu schreiben und zu illustrieren.

Die, die schon eine  Weile mitlesen wissen, es folgt: der Beipackzettel. Bei Fragen wenden sie sich bitte an mich oder Yippie.

Entstanden sind die Geschichten zwischen 2005 und 2007. Illustriert habe ich sie dann ein Jahr später. Heute würde ich sie inhaltlich manchmal etwas anders schreiben, aber den Reim ändert man nicht so einfach. Der Reim folgt keiner bestimmten Form  ; ) Keine der Geschichten erhebt einen pädagogischen oder psychologischen Anspruch.

 

Die Quelle und die Hyäne

 

Hallooo, hallo, Quelle aufwachen.

Es ist ein lauer schöner Sommermorgen, die Luft riecht nach Blumen und Heu.

Bei der Quelle steht eine Hyäne, mit einem Überwurf, der wie ein Pferdekostüm aussieht.

 

Die verkleidete Hyäne ruft ungeduldig.

Du plätscherst doch, ich kann das hören und sehen,

brauchst gar nicht so zu tun, als ob du schläfst, das wird nicht gehen.

 

Die Quelle rührt sich nicht.

 

Ich habe gehört, Du kannst dem ein oder anderen einen Tipp geben,

so für allerlei Fragen bezüglich des Leben...s.

 

Ich will jetzt quatschen Mann,

oder war das Gewäsch und du bist jemand, der nichts kann?

 

Ich verrate dir auch im Gegenzug ein Geheimnis,

Die Hyäne beugt sich zur Quelle runter und flüstert ihr etwas zu…

wenn das keine Pein ist, sagt es und kichert.

 

Anscheinend mit Erfolg, die Quelle rührt sich.

He du alte Plaudertasche,

sag mal, was redest du da, hast einen an der Lasche?

 

Was bist du überhaupt für ein Tier,

kannst nichts außer schwafeln hier?

 

Ich bin ein weißes Andalusier Pferd,

das gute, teure Kutschen fährt.

 

Meine Mutter war eine bildschöne VON

Mein Vater ein einflussreicher, spanischer Don.

 

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Die Quelle sieht das anders.

 

Es scheint sehr früh am Tag zu sein,

denn sonst trügt mich gerade der Schein.

Du bist doch untenrum braun und eine Hyäne,

was spuckst du denn für große Töne?

 

Die Hyäne:

Da geb ich Dir völlig Recht,

du siehst wegen der Dämmerung nicht so gut, echt.

 

Mein Fell mag wohl braun wirken,

ist aber weiß, so weiß wie die Birken.

 

Die Quelle:

Wär es wirklich weiß wie die Birken so,

wärst du eher ein Zebra mit schwarzen Streifen am Po.

 

Oh Gott, woher weißt du das,

bist du so´n Spionage-Ass?

Hab schon mal so gelogen,

bei einer Freundin, voll unerzogen,

der hab ich gesagt, ich sei ein Zebra nämlich.

Doch die Freundin war zwar ne Blindschleiche, aber nicht dämlich.

 

Seitdem ist sie nicht mehr gut auf mich zu sprechen,

woran mag das liegen, ist das etwa mein großes Gebrechen?

 

Bist du deshalb zu mir gekommen, fragt die Quelle,

weil deine Freunde weniger werden und das macht dich beklommen?

 

Die Hyäne reagiert nervös:

Aber iwo, nein,

deshalb bin ich nicht hier,

fands schön, wollt einfach so zu dir.

 

Doch so leicht lässt sich die Quelle nicht hinters Licht führen.

Na, das wollen wir mal hinterfragen,

vielleicht wirst du dich gleich nicht mehr beklagen.

Sag,

was ist heute für ein Tag?

 

Die Hyäne ergibt sich ihrem Schicksal und beantwortet die Fragen schleppend.

Es ist kein besonders schöner Tag,

keiner, an dem man gerne aufstehen mag.

Es ist nass…

 

Nee, unterbricht sie die Quelle,

und erzähl mir bloß nicht noch was von Schnee.

Es ist ein wunderbarer Tag,

wie kommt das bloß, dass man es mag,

solchen Blödsinn zu verzapfen,

sind das deine eignen Stapfen,

in die du trittst?

 

Also, also,… die Hyäne sucht nach Worten. Versucht sich rauszureden..

Du kannst das mit dem Regen nicht fühlen,

ich möchte dich nicht gern aufwühlen, aber

wenn man so nass ist wie du kann man das nicht beurteilen,

oder könntest du auch auf dem Trockenen weilen?

 

Lenk nicht ab, befiehlt die Quelle.

Weiter: was bin ich,

wer bin ich für dich?

 

Du… du bist ein Fluss,

tut mir leid, wenn ich das so sagen muss, antwortet die Hyäne.

 

Mhm, mhm, die Quelle hat erkannt, was da vor sich geht.

Ich möchte dir gerne etwas mitteilen,

ich hoff, du verstehst es, wirst nicht davon eilen.

 

Ich glaube du bist ein Lügner, Hyäne,

aus dir schießt eine große Fontäne,

an Dingen,

die nicht stimmen.

Kennst du die Wahrheit und was das heißt?

Erzähl mir, was du davon weißt.

 

Die Wahrheit?die Hyäne grübelt.

Darüber hab ich gar keine Klarheit.

 

Es ist nicht schlimm, dass du grübelst,

nichts, was ich dir verübelst.

Denn schon die großen Philosophen,

dachten, dachten viele Strophen,

was die Wahrheit, wahrhaftig ist.

Eine Frage, die einem das Gehirn zerfrisst.

 

Doch es gibt eine Welt, in der es auch erfahrbare Wirklichkeit giiiibt,

und den ein oder anderen, der dieses weiß schätzt, sogar liebt.

 

Ich denke, du lügst weil du unzufrieden bist,

doch Lügen ist nicht die geeignete List.

Hey, aber du bist doch eigentlich richtig toll,

hast, was ich seh, schöne schwarze Augen, dein Fell scheint voll.

 

Konzentrier dich auf das, was du an dir gut findest,

ohne zu lügen, damit du dich nicht verschwendest.

Sei so wie du bist,

echte Freunde brauchen keine List.

Die mögen dich eben,

so, und jetzt hau ab und hab Spaß am Leben.

 

Für die Hyäne war das zu viel Information auf ein Mal. Sie schüttelt das Haupt. Ich muss darüber sinnen, wird schon was dran sein, es wird stimmen, aber aber…

Sie rennt auf und ab, doch nach einiger Zeit bleibt sie abrupt stehen.

Du hast Recht,

was ich gemacht habe, war auch für mich schlecht.

Ich streif das Alte ab,

weg nun mit dem dämlichen Sack. (Sie streift das Kostüm ab).

Oh ja so bekomme ich mehr Luft

und meine Identität als Lügner verpufft.

Doch das mit der Wahrheit,

da brauch ich mehr Klarheit.

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Als die Hyäne das Kostüm abgelegt hat wirkt sie wie befreit, setzt das beste Hyänen-Lachen auf.

Cool, jetzt schaut auch keiner mehr blöd, wenn ich Aas verschmause,

tschö mit ö, danke Quelle, es ist Zeit, ich gehe nach Hause,

sagst´s und verschwindet.

 

Habt eine schöne Woche.

Ganz herzliche Grüße
Olivia

Die Quelle und der Maulwurf /

 

Es ist wieder Geschichtenzeit. Irgendwie will meine rechte Hand derzeit nicht so recht mitmachen. Da hängt jetzt so ein "Phantom der Oper-Plastikding" dran, dabei mag ich keine Musicals. Ähhh... irgendwie schlägt es sich wohl auch aufs Gehirn nieder, wo waren wir?  Ach ja. Da bietet es sich an eine weitere Geschichte von der Quelle zu bringen und den Arm zu schonen.

Bei dieser Geschichte mag ich die Illustration des Maulwurfs gerne. Inhaltlich... määähh, egal. Aber beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ich seit einiger Zeit selbst wieder viel staune. Das ist so schön. Bei Kindern steht dann oft der Mund offen. Beim Staunen setzt das Gehirn irgendwie aus, vor allem mit offenem Mund. Hab mal gehört, dass es schier unmöglich ist, z.B. 280 x 16 mit offenem Mund zu rechnen (kann ich auch mit geschlossenem Kläppchen nicht). Versucht es mit einer einfachen Rechnung - das ist schwierig UND lustig sich euch dabei vor dem Computer vorzustellen.

Angefangen hatte es hiermit. Den Vorspann bringe ich mit größter Konsequenz jedes Mal. Die, die ihn schon kennen dürfen darüberweglesen, leiernd lesen geht auch. Die anderen lernen den Vorspann bitte bis zum nächsten Mal auswendig.

Entstanden sind die Geschichten zwischen 2005 und 2007; illustriert habe ich sie dann ein Jahr später. Heute würde ich sie inhaltlich etwas anders schreiben, aber den Reim ändert man nicht so einfach. Der Reim folgt keiner bestimmten Form  ; ) Keine der Geschichten erhebt einen pädagogischen oder psychologischen Anspruch.

 

Die Quelle und der Maulwurf

 

Der Maulwurf Kain N. Plan ist ein sehr aufgewecktes Bürschchen und deshalb im Verein Freier Wurfmäuler e.V., die sich ab und an treffen, um über die Welt zu philosophieren.

Neuerdings treibt sie die Frage um, warum sie als einzige im Tierreich nicht reimen können. Kain N. Plan bekommt die Empfehlung, die Quelle zu fragen.

Der Maulwurf buddelt sich so nah es geht an die Quelle heran, streckt seinen Kopf aus der Erde, blinzelt in seiner Blindheit und räuspert sich höflich.

 

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Hhm, guten Tag, mein Name ist Kain N. Plan und ich möchte Sie etwas fragen, Quelle. 

Ja, was ist es denn  ttt…,
was ihnen auf der Seele brennttt? erkundigt sich die Quelle ebenso höflich.
 

Also, der Fall ist der, ich komme im Auftrag des Philosophenstammtisches der Maulwürfe und wie man an meiner Ausdrucksweise hören kann, gibt es bei uns gewisse Ungereimtheiten. Nun sprechen aber alle anderen Tiere in Reimen, worauf wir uns keinen Reim machen können. Genaugenommen können wir uns aus der Welt keinen Reim machen. Was sagen sie dazu?

Die Quelle schweigt. Sie schweigt lange Zeit. Erst eine Stunde, dann zwei, bis zum Mittag. Der Maulwurf macht derweilen ein Nickerchen, seinen Kopf an den Maulwurfhügel gelehnt.

 

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Als die Quelle beginnt, ihre Sprache wieder zu finden, ist auch der Maulwurf wach.

Erst mal konnte ich gar nichts sagen,
kann momentan gar keinen Rat wagen.
 
Ich wusste nicht, dass es solche Ungereimtheiten gibt auf der Welt,
dachte, alles sei einer gereimten Schöpfung unterstellt.
 
Doch das Staunen, in das ich gerade verfalle
Ist das Schönste seit langem, möchte, dass es widerhalle,
 
in jedem und allem
sollte darauf glaub ein Loblied schallen.
 
Nichts ist, wie es scheint,
kein Grund, dass man weint,
 
keiner weiß alles,
keineswegs ein Zeichen des Verfalles.
 
Ein Zeichen der Unendlichkeit vieler Dinge,
dass man keinen in eine Form zwinge,
 
schon gar nicht in einen Reim,
wissen Sie was, ich lasse den Reim sein.

Ich… Sie… blubb blubb, plitsch, plitsch, es ist schon komisch so ohne Form… zu sprechen.

Es tut mir sehr leid, wenn Sie jetzt enttäuscht sind, schließlich wollten Sie ja eine Hilfestellung von mir und es war genau andersherum.

Noch fällt es der Quelle schwer, die richtigen, ungereimten Worte zu finden und diesen ungewöhnlichen Rollentausch zu begreifen.

Aber wenn Sie wollen, sagt die Quelle, kann ich Ihnen das Reimen beibringen und wenn Sie Lust haben, reden Sie in Reimen und ansonsten lassen Sie es. Das ist Freiheit, Sie können wählen, ohne sich zu quälen, hach, ha ha, wieder gereimt. Nun ja, die Freiheit gilt wohl auch für mich.

Der Maulwurf scheint über den Verlauf des Gesprächs ebenso überrascht zu sein wie die Quelle.

Sehr geehrte Quelle, hebt der Maulwurf zu einer Rede an und räuspert sich wieder: Ich meinerseits bin durch Ihre Reaktion auf die Vorteile des freien Sprechens gestoßen, denn unsere Freiheit ist ein wunderbarer Teil der Sprache, ich möchte sie nicht missen. Insofern haben Sie mir doch einen neuen Gedanken gegeben. Den Gedanken der Wertschätzung dessen, was man kann. Haben wir uns vom Stammtisch doch nun schon länger damit herumgequält, dass wir nicht reimen können.

Das Angebot des Unterrichts nehme ich gerne an, etwas Neues zu lernen scheint mir die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, sich irgendwann einen kleinen, ganz eigenen Reim aus der Welt machen zu können. Der Maulwurf hebt kurz die Pranke, winkt und taucht mit einem herzlichen „Skol“ in seinem Erdloch ab.

Ich wünsche euch allen (nicht nur den Pessimisten) eine erstaunlich schöne Woche.

Herzliche Grüße
Olivia

 

PS: Stimmt nicht, dass ich keine Musicals mag. Die Alten schon. Hier ist eine schöne Version von America  der Labeque-Schwestern aus der West Side Story. Überhaupt ist das gesamte Album beider Pianistinnen der West Side Story für zwei Flügel empfehlenswert.

Beim Surfen bin ich bei meinem Lieblingsinstrument hängen geblieben: Akustische Gitarre. Ich liebe es, wenn die Musik entspannt leger ist und der Musiker, in dem was er macht, versinkt.

Hiermit sind die Hunde augenblicklich schalfend auf dem Sofa zusammengebrochen.

Und auch diese zwei Beiträge sind hörenswert.

Hier und hier