Geschichten gibt´s... /

 

Neulich habe ich euch die Geschichte von der Quappe mit der Kappe gezeigt. Jetzt möchte ich euch zwei weitere Geschichten von der Quelle vorstellen.

Die Reihe von Reimen und Illustrationen ist zwischen 2007 und 2008 entstanden. Weil die Geschichten älter sind, hier ein paar Erklärungen: Heute würde ich einiges anders schreiben. Wie schon beim ersten Post von der Quelle möchte ich euch sagen, bitte einmal durchschütteln, der Reim ist nach wie vor nicht schulbuchmäßig. Immer schön locker bleiben und bloß nicht als Lebenshilfe verstehen, chrrhhhhh. 

Angebot des Tages: Eine Geschichte vom Bär und eine Geschichte von einem Specht.

Interessanterweise hatten wir vor ca. sechs Wochen einen Specht der große Freude daran hatte unser Haus anzupicken. Bei jedem Meeting wurde das Loch in der Wand, in vier Metern Höhe, größer und größer. Bis die Dämmung futsch war und das nackte Mauerwerk rausschaute. Meist “arbeitete” er morgens um fünf. Ich habe ein paar Mal versucht ihn zu erwischen und mit einem Tennisball, das muss man sich mal vorstellen, abzuschießen. No mercy. Ha! Von wegen. Das listige Federvieh war jedes Mal schon auf den gegenüberliegenden Baum geflogen und gab Laute von sich die wie Lachen klangen. Unverschämtheit.

Das Loch in der Wand musste aufwändig geschlossen und verputzt werden. Die Firma, die die Reparatur vorgenommen hat meinte das sei ein bekanntes Problem, man könne versuchen CDs zur Abschreckung anzubringen. So weit kommt es noch… also mit meinen CDs weiß ich besseres anzufangen und überhaupt was soll mein Auge denken, wie schaut das denn aus?

Ich wünsche euch eine fantastische Woche und viel Vergnügen beim Lesen.

Herzliche Grüße
Olivia

Ps: irgendwie sah ich heute einem der Tierbilder ähnlich, sag aber nicht welchem. Verrät mir jemand von euch in welchem Bild er sich erkennt? 

 

Die Quelle und der Bär

 

An der Quelle kommt ein großer brauner Bär vorbei, der einen schmerzverzerrten Gesichtsausdruck hat.

Er sucht Gesellschaft, so setzt er sich, nachdem er kurz überlegt hat, bei der Quelle nieder, streckt ein Bein ins Wasser und beginnt seine Wehklage:

 

Oh Quelle, oh Quelle

Ich hab da ne Stelle…, er zeigt in Richtung Wasser,

die schmerzt, tut höllisch weh,

ich sags wie es ist, er macht eine bedeutungsvolle Pause,

es ist der kleine Zeh!

 

Die Quelle sprudelt zwar, kann aber mit dieser Information noch nichts anfangen und beschränkt sich aufs Wasser spucken.

 

Der Bär jammert weiter.

Und neulich erst, verlor ich zwei Haare, da…

Ich dachte, das war´s, das Ende ist nah.

Dachte, es würde noch viel mehr Pelz regnen

und ich müsse deshalb das Zeitliche segnen.

Dann hatte ich Hals-, Kopf-, Wimpern, -Krallen- und Herzweh,

zwei volle Tage, so wahr ich hier vor dir steh.

 

 

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Letztens war eine Träne von mir so klebrig wie Uhu,

nun das ist doch übel, was sagst du dazuhu?

Ist es doch unbedingt und immer möglich,

Dass so etwas enden muss und zwar tödlich.

 

Nun versteht die Quelle:

 

Ahhhh du bists, der große Hyperchond Bär

Komm, beruhig dich und setzt dich was nähr.

 

Der Bär streckt nun auch das zweite Bein in das Wasser.

 

Das ist ja das Problem, ich wär gerne nur Bär,

wäre froher, wenn ich nicht der Hyperchond Bär wär.

 

Die Quelle überlegt gluckernd.

Dann sagt sie:

Schau mal ins Wasser hinein,

ich werd versuchen, ruhig zu sein.

 

Das Wasser glättet sich und wirkt nun wie ein Spiegel.

Der Bär neigt sich vorne über und blickt in den Fluss.

 

Was ist, Hyperkond Bär, was siehst du? fragt die Quelle.

Mich, seufzt der Bär, wie ich hier reinschauen tu.

 

Aber, setzt die Quelle an, doch nicht nur das allein,

da wird ja noch etwas mehr zu sehen sein.

 

Ja…, ich seh´ Gras, Steine, ein paar Bäume, die Sonne,

der Bär fängt an, immer mehr zu sehen,

Bienen, Vögel, den Himmel, es ist eine Wonne.

 

Quelle: riechst du der Blumen köstlichen Duft,

der hier liegt in der sonnigen Luft?

 

Der Bär hebt den Kopf und schnuppert, nickt dann begeistert.

Eine Weile schweigen die beiden, während der Bär sich umschaut sagt die Quelle:

 

Ich glaub du verhakst dich zu sehr in dir drin,

schärfe Herz, Verstand und Sinn,

für die Welt, in der du bist,

Lerne, dass außer dir noch viiiiiel mehr ist.

 

Betrachte die Welt, Natur, alle Dinge,

gehe nach draußen, freu dich, singe,

 

kehr dann zu dir zurück,

verbinde drinnen und draußen,

vielleicht bringt dir das dein Glück.

 

Äußerlich verändere deinen Auftritt.

Bringst du außer Hyperchond noch einen Vornamen mit?

 

Hyperchond- Sammel- Bär ist korrekt, entgegnet der Bär.

 

Na, Sammelbär klingt doch perfekt, sagt die Quelle.

 

Auch diese Idee scheint dem Bären zu gefallen, er wippt fröhlich von einem Bein auf das andere.

Das werd ich versuchen,

als Erstes: Eine Reise buchen,

werde als neuer Sammelbär die Welt erkunden,

eben Erfahrung sammeln, und genießen möchte´ ich die Stunden.

 

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Dem Bär gefällt diese Vorstellung so sehr, dass er im Kreis tanzt. Er vergisst nicht, sich bei der Quelle zu bedanken, schwimmt ein wenig im Fluss und legt sich dann grinsend in die Sonne zum Trocknen.

 

 

Die Quelle und der Spicht

 

Eines Tages kommt bei der Quelle ein Vogel vorbei gelaufen. Er trägt seinen Kopf sehr hoch.

 

Tapp, tapp, knistert es unter seinen Füßen. Plötzlich  entdeckt er sein Spiegelbild in der Quelle. Er sieht einen Fleck auf seinem Gefieder, angeekelt schaut er sich nach Hilfe um. Da kein Tier in Sicht ist, das ihm helfen könnte, entschließt er sich dazu, mit dem Wasser des Flusses den Fleck selbst zu entfernen. Dabei entdeckt er die Quelle. Um von seiner für ihn peinlichen Lage abzulenken, bläst der hochnäsige Vogel zum Angriff:

 

So, so, das Quelle,  hi hi, das Quelle denkt es sei immer weise,

stapft der Vogel so vor sich hin, murmelt es leise.

 

Die Quelle amüsiert sich.

He du, bist du der Hochwohlgeborene, der Spicht, 

der hier so unverhohlen lästernd spricht? fragt die Quelle.

 

Jawoll, der bin ich,

ich bin es, der es ist.

Die geballte Ladung an Schönheit und List.

 

Bin ebenso weise, gebildet, klug und belesen,

bin schon mal bei ihm hier gewesen.

 

Sage Er, Quelle brauche Er einen Rat,

Hilfestellung für Leben, Liebe und Tat?

 

Frag nur, ich, ich kann alles Ihm sagen,

trau Er sich nun, Er stelle Fragen.

 

Die Flügel des Spechtes untermalen mit großen Bewegungen sein majästetisches Auftreten.

 

 

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Die Quelle überlegt, ob sie überhaupt auf ein Gespräch eingehen soll,

entscheidet sich und sagt:

 

Lieber Spicht,

der Spicht der immer nur von sich spricht.

Ich bin eine Quelle, weiblicher Natur.

Ach könntest du Grammatik nur.

 

Aber was willst Du wirklich hier,

rück raus damit, sage es mir.

 

Das gefällt dem Vogel gar nicht, er schlägt verbal zurück.

 

Frage Er sich, wer denn hier wirklich arrogant,

der sich zur Weisheit hat selbst ernannt? Hm? Der Spicht neigt keck den Kopf zur Seite.

 

Ich, der Spicht, kam zufällig des Weges,

führt kein so ein Leben wie Er, so ein träges.

 

Bin busy, fliege um die ganze Welt,

weil man eben so viel von mir hält.

 

Heute New York, morgen Amsterdam,

Er sieht, der Spicht tut, was er kann.

 

Das Landleben macht, wie gesagt und am Quelle zu sehen, träge,

das ist ein Grund, weshalb ich erwäge,

meinen Landsitz aufzugeben,

und in der besten Stadt zu leben.

 

Dort ist meine Spichtkunst auch sehr gefragt,

die punktgenauen Stiche in Bäumen hoch angesagt.

 

Er kann mich ja besuchen kommen,

pardon, hab vergessen, dass genaugenommen,

der Quelle nicht sich kann fortbewegen,

nichts verändern kann im Leben,

das meine ich mit „träge“ eben.

 

Die Quelle beginnt die Geduld und Zurückhaltung zu verlieren.

 

So, mach mal nen Punkt jetzt,

ich bin DIE Quelle und nicht der.

Es ist unerträglich wie Du hier hetzt.

 

Eine Quelle bewegt viel,

eine nährt sogar den Nil,

boah, jetzt wird’s mir aber zu viel.

 

Sehen wir den Tatsachen ins Auge bitte,

Du bist ja gar nicht in deiner Mitte,

oder doch, das bist du und zwar ausschließlich,

das ist´s, was mich nun stimmt verdrießlich.

 

So ein eitler Gockel wie Du,

da fällt mir nur eins ein: BUH, BUH.

Bist doch ganz ehrlich in echt,

auch nur ein hundsgewöhnlicher SpEcht.

 

Bei der Erwähnung des Spechts zuckt der Vogel zusammen.

 

Deine Ich, ich, ich Sucht schlägt sich in deinem selbstgedrehten Namen nieder.

Mit Dir red ich erst, wenn du ok bist wieder.

Und nun noch zum Schluss ganz barsch,

es lebe Götz von Berlichingen, leck mich am Arsch.

 

Stille.

 

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Doch nach einer Weile, er fängt der Specht an zu lachen. Minuten lang lacht der Spicht.

Er lacht so sehr, dass im die Tränen der Erheiterung aus den Augen kullern.

 

Dann wird der Specht wieder ernster:

 

Hach die Vorstellung war zu köstlich,

doch im Ernst, deine Wahrheit wirkt fernöstlich.

Ich habe schon so lange nicht mehr über mich gelacht,

ich habe einfach gedacht,

ich müsse immer ernst sein,

damit man mir meine Fähigkeiten abnimmt, hups wo bleibt der Reim?

Doch die Fähigkeit herzhaft über sich selbst lachen zu können scheint mir wichtig,

dagegen die Eitelkeit ausnahmsweise null und nichtig.

Lass es dir gut gehen,

werde bald mal wieder hier stehen, um nach Dir zu sehen.

 

Sagt es und tappt glucksend von dannen.

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