Eine Leidenschaft /

 

 

Es ist schon ein paar Jährchen her, da hat Frau Yippie eine Jahresarbeit zum Thema Kandinsky und der Blaue Reiter verfasst. Die Theorie hat mich nie so sehr interessiert, es war viel mehr die Malerei. In diesem Zuge kam ich auf Murnau, das nicht weit entfernt von meinem jetzigen Wohnort liegt. 

Dort lebten Kandinsky und Münter eine Weile lang in ihrem Künstlerhaus. Vor allem im Sommer. In dieser Zeit gründeten sie auch die Künstlergruppe der „Blauer Reiter“. Ich kann mich sehr für die Expressionisten und ihre Werke begeistern. Um ihrer Arbeit etwas näher zu rücken interpretierte ich (für den Leien = kopierte) damals, so gut es ging, einige der Stücke von Kandinsky, Münter, Marc und Macke (siehe unten). 

Je länger ich mich mit dieser Kunst auseinandersetzte, desto freier wurde der Zugang zu Kunststilen, die ich vorher abstoßend fand. Am Ende des Jahres waren es vor allem die gegenstandslosen Werke Kandinskys die mich fasziniert haben. Wenn ich heute moderne Bilder sehe (was sehr selten vorkommt), habe ich einen anderen Zugang dazu. Selbstverständlich nicht zu allen. Die Frage: „Was ist Kunst“ hat schon viele Gemüter bewegt, ich besitze einige Bücher zu dem Thema, aber keine richtige Antwort. Wo waren wir?...

 

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In Murnau kann man das Gabriele Münter Haus besichtigen. Ein Gang durch das Haus ist mit Führung zu empfehlen. Überall ist ihre Lust an der Malerei zu erkennen. Der Garten ist klein und üppig. Das Haus, der Ort, die Landschaft, könnten kaum schöner sein. Ich bin ganz prickelig aufgeregt wenn ich dort bin. 

Der Ort ist einfach nur bezaubernd, alle Häuser haben bunte Farben. Das Ortsbild ist einmalig. Es wirkt heiter und einladend. Murnau liegt auf einem Hügel, in perfektem Abstand sieht man die herrlichen Alpen. Wenn man in der Fußgängerzone unterwegs ist, fühlt man sich wie auf einem Thron, erhaben über allem. 

 

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Auch das Murnauer Moos ist einzigartig in Europa und wunderschön. Früher wurde hier Torf gestochen, heute ist es Landschaftsschutzgebiet. 

Direkt unterhalb von Murnau liegt der Staffelsee. Ich muss nicht betonen, dass er besonders idyllisch ist oder?

 

 

 

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Ein Berg im Umland von Murnau heißt übrigens Laber, vielleicht sollte ich da mal rauf?! Schon seit einer Weile wollte ich im Murnauer Moos mal malen. Es gibt Bilder von Gabriele Münter, die sie beim Malen in der Natur zeigen. Ähnlich habe ich mir das vorgestellt und dann auch umgesetzt. 

Mit meiner Freundin Izeta, den Hunden und einem vollgepackten Auto ging es los. Ich hatte eine bestimmte Vorstellung von der Umgebung in der ich malen wollte. Und nach einigem hin und her haben wir genau den richtigen Platz gefunden. Das Auto wurde samt Hunden in den Schatten gestellt und wir stapften mit Zubehör in Richtung Moos.

Ja, wie ist das Moor denn eigentlich genau beschaffen? Es hilft nicht, eine verträumte Vorstellung meines Malortes zu haben, dann aber mitsamt der Staffelei im Moor einzusacken. Man kennt Moor ja vorwiegend aus Agatha Christie Filmen. Dunkel, nebelig und saumäßig tödlich. Das zumindest muss Izeta durch den Kopf geschossen sein. Ich ging einen Schritt, denn ich wollte einfach nur testen wie gut das Moor trägt und mich in den Sumpf stellen. Da packte sie mich am Arm und schrie 50 cm von meinem Gesicht entfernt, (dramatischer als bei Shakespare und mit leicht slawischem Akzent)

NEIN! Komm zurück. Du darfst nicht gehen! Du darfst nicht gehen. Du wirst versinken. Ich habe noch nicht mal eine Leine dabei und kein Lasso um dich wieder raus zu ziehen. 

 

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Wir haben einen so heftigen Lachanfall bekommen, dass wenn es tatsächlich gefährliches Moor gäbe,  (was nicht der Fall ist) ich dann mit Sicherheit untergegangen wäre. Nachdem Izeta sich wieder beruhigt und von der Gefahrlosigkeit des schilfreichen Nasses überzeugt hatte, haben wir einen schönen Platz gefunden. Nur die Beine wurden durch das Schilf zerschnitten, das juckt. Alles für die Leserschaft, yippie juhu. 

 

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Es gibt etwas, das liebe ich schon seit ich ein kleines Mädchen war: ein weißes Stück Papier, eine weiße Leinwand. Alles kann darauf entstehen. Das knistert noch mehr als Murnau ; ) Jedes Mal wird alles wieder neu kreiert, jeden Tag, jede Minute. Es lässt sich vom Papier ganz leicht auf das Leben übertragen. Es ist ganz und gar unwichtig was ich auf dem letzten Papier gemalt habe, ob es gut war oder nichts taugte. Selbst wenn die letzte Zeichnung eine Vorbereitung auf das folgende Bild war, legt es mich nicht fest. Ich kann es zerknüllen, aufhängen, in die Schublade legen und ein neues malen. Ist das irgendwie verständlich und ist das nicht fantastisch? 

 

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Falls ihr mal in der Gegend seid, habe ich hier noch ein paar Links für euch. Und falls ihr ähnliche Perlen in eurer Gegend kennt und verraten mögt, freue ich mich über einen Kommentar mit einem Verweis auf einen Lieblingsort von euch. 

Münter und Kandinsky http://www.muenter-stiftung.de 
Viel Kunst http://www.murnau.de/de/museen-galerien_p2 
Die Brauerei http://www.griesbraeu.de/de/ 
Der See http://www.staffelsee.org 
Das Moos http://gigapan.com/gigapans/95478

Herzliche Grüße
Olivia

Comments

1

Martin |

Mensch Livi, was für ein schöner Beitrag!
Die Künstlerin am Werk........und auf den Bildern riecht man förmlich das Gras.......toll!
Einfach malerisch........

Liebe Grüße

Martin

Antwort

So was Martin, war vor Freude über Deinen Kommentar kurz versucht Dir einen Spitznamen zu geben. Mir fällt keiner ein. Höchstens ein englisch klingender Doppelname ; ) und das wäre nicht im Sinne der Sache. 

Bussi Baba

Ps: Deinen Tipp für einen schönen Ort kenne ich bereits und werde wohl mal wieder vorbeischauen.

 

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