Eine geht noch /

Die Quelle und die Ameise

 
 
Eigentlich sollte man meinen mit der letzten Geschichte und dem schönen Happy End von der Hummergeschichte wären alle meiner Geschichten aus dem Jahre 2005 rausgehauen. Denkste! Ich hab da noch eine, da euch aber die Zeichnungen schon mal gezeigt habe und sie den chaotischsten Reim von allen hat, wollte ich sie weglassen. Der Vollständigkeit halber kommt sie jetzt doch noch. Und auch ein bisschen weil sie eine Lieblingsgeschichte von Alois , dem (im letzten Post erwähnten) Webernknecht ist. Er besteht übrigens auf einen eigenen Post. Wir werden erleben, wer sich durchgesetzt hat. Los geht´s.
 
 
Es ist ein herrlicher Sonntagmorgen, die Quelle sprudelt locker vor sich hin, da kommt eine Ameise des
Weges.
 
Die Ameise trägt einen großen Stein auf dem Rücken, hat einen rauchenden Grashalm im Mund und führt Selbstgespräche, die Ameisenglieder rudern und gestikulieren wild. Sie scheint jemanden nachzuäffen:
 
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Ich kann nicht, ich mag nicht
Das war echt keine Absicht.
Kann ich das nicht verschieben, vielleicht auf morgen?
Naaaahein, hallooo, das kannst du heute schon besorgen.
Alles faule Ausreden,
meiner Kollegen,
wir sind doch nicht aufm Ponyhof,
also so was von dämlich, so was von doof.
Wer wirklich weit kommen will im Leben,
muss kruppen wie ein Tier,
nach oben streben, das sag ich dir.
Überstundenausgleich, pah, so ein Mist,
wer so was fragt, ist hundert pro kein Realist.
Sind wir mal ehrlich,
Ohne Fleiß kein Preis,
Ohne Schweiß kein Preis,
Der Preis ohne Schweiß,
ist der, auf den ich schei…Guten Morgen, unterbricht in diesem Moment die Quelle.
 
Ich habe eigentlich heute keine Sprechstunde, doch du scheinst Bedarf zu haben,
komm quatschen wa ne Runde.
 
Hä, wer? Was, was ist los?
Wer labert da bloß? Die Ameise schaut sich hektisch um.
 
Ich, die Quelle, hier in der Tiefe,
die ich Worte vor mich hin triefe,
schon ab und an wem helfen konnte,
der nicht im Leben sich sonnte,
jemand, der sich nicht gut fühlte,
in seinem Innern immer wühlte.
 
Was die Quelle da sagt scheint der Ameise lächerlich.
 
Wenn ich irgendwo wühle, dann bei der Arbeit,
das meine ganze Wahrheit.
Ich mag es so, kann auf keinen Fall ohne,
kommt vor, dass ich mich mit der ein oder anderen Zichte entlohne,
dann aber geht’s wieder weiter,
Arbeiten, Arbeiten, das macht mich heiter.
 
Die Quelle hakt nach:
Das klingt wirklich fleißig, was du tust.
Gibt es auch Stunden, in denen du must?
Also ich meine Stunden, in denen du nichts machst,
komplett entspannst, in der Hängematte lachst?
Hä, was? Was ist eine Hängematte genau?
Ich bin eine Ameise, die arbeiten auf´m Bau.
Da gibt es keine Matten,
schon gar keine, die hängen, an was auch, an Latten?
Ich gebe zu, es ist schon sehr viel,
da bleibt keine Zeit, für Familie, Sport und Spiel.
 
Die Ameise hat inzwischen ihr Gepäck abgeladen und sich auf einem Felsstück niedergelassen.
 
 
 
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Sag mal Ameise, hast du eine Frau auf dem Bau?
Hast Du Nachkommen.
kommen die nach Dir, Hm?
 
Ja, ja klar,
ich habe Kinder und eine Frau,
für die ich schufften gehe, wir wollen einen eigenen Bau.
Wunderbar, du gabst also deinen Samen,
sag, wie heißen sie, wie sind ihre Namen?
 
Anm.: ich weiß Ameisen legen Eier, aber es klingt besser,
ansonsten hätte ich schreiben müssen:
Wunderbar legtest mit deiner Frau Eier,
sag mal die Namen, sinds viele, au weia.
Der Leser möge sich eine Variante aussuchen.
 
Die Ameise setzt sich auf einen anderen Stein,
mittlerweile hat sie sich den zehnten Grashalm angesteckt.
Sie wirkt mit einem Mal betrübt.
 
Ich gebe zu, das macht mich niedergeschlagen,
ich weiß es nicht, kann dir die Namen nicht sagen.
 
Oha, das ist schlimm, die Quelle ist überrascht,
kommt dir der Name deiner Gattin in Sinn?
 
Die Ameise geht leise einige Namen durch,
Lydia..., Kristina, Birgit, Nicola, Anne, Eva, oh nein,
ich bin ein Schwein, er fällt mir nicht ein.
 
Nein, nein, du bist sicher kein Schwein.
Du bist eine A-M-E-I-S-E, es liegt in der Natur der Ameise,
bei der Arbeit fleißig zu sein,
das ist der Ameise Lebensweise.
Du hast bislang deine Arbeit sehr ernst genommen,
bist die Kariereleiter hochgeklommen.
 
Die Ameise lässt den Kopf hängen. So fährt die Quelle fort:
Wirkst ein bissl geköpft,
vereinsamt und erschöpft.
Es gibt nun drei Möglichkeiten,
Erstens, du wirst nicht mehr so viel arbeiten,
schaust mal wieder nach der Brut,
was euch sicherlich familiär gut tut.
 
Zweitens, du siehst dich als Ameise und deine Bestimmung
in der Rolle des Arbeitstiers, von der fleißigen Innung.
Du bist nicht als Faultier geboren worden,
das bestimmt ist, nur für die Familie zu sorgen.
Sei weiter so fleißig am Werk,
Bau dir als Ameise den höchsten Berg.
Arbeite dich schlichtweg tot,
und zur Not,
wirst du dann Buddhist,
dem die Reinkarnation einleuchtend ist.
 
Die Quelle lacht über ihre eigenen Worte.
 
Drittens, du beziehst alles mit ein,
so kannst Du mit Deiner Familie zusammen sein.
Mach dich selbständig mit Deiner Frau,
gründe die Wir AG Hoch- und Tiefbau.
Die Kinder können bei euch bestimmt viel Lernen,
ihr müsst nur vorleben und von eurer Arbeit schwärmen.
 
Die Ameise reißt ihre riesigen Augen noch viel weiter auf vor Freude.
Wahnsinn,
dass mir das nicht mal im Wahn in Sinn kam.
Eine Wir AG, das ist der Kracher,
dann bin nicht nur ich sondern auch meine Frau ein Macher.
Ich muss los,
Adios.
 
Die Ameise schlägt vor Freude noch ein Rad und ist im nächsten Moment auch schon verschwunden.
Die Quelle ihrerseits gönnt sich erst einmal ein ausgedehntes Nickerchen. Sie kann selbstverständlich auch
im Schlaf quellen.
 
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Und so sage auch ich Adios Freunde. Auf bald.
 
Herzliche Grüße
Olivia
 
 
 
 
 

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